Pfingstkletterfahrt

Auch in diesem Jahr verbrachte unsere Klettergruppe das verlängerte Pfingstwochenende in der Jonsdorfer Hütte im Zittauer Gebirge. Im Frühjahr hatte ich mir noch Sorgen gemacht und mich gefragt, ob ich zu Pfingsten vielleicht alleine gen Osten fahren müsste. Doch schnell war klar: darüber musste ich mir nun wirklich keine Gedanken machen.

Am Freitagabend suchte ich nach der Arbeit meine Klettersachen zusammen, kaufte noch ein wenig Proviant und machte mich dann mit meinem Bruder Christian und seiner Begleitung auf den Weg. Gegen Mitternacht erreichten wir Jonsdorf und fanden nach ein wenig Suchen auch die Hütte (ein etwas größerer Wegweiser wäre sicher nicht schlecht …), wo die anderen bereits einen fröhlichen Hüttenabend hinter sich hatten. Für mehr als ein kleines Schwätzchen reichte die Kraft dann nicht mehr, bevor wir uns in die Matratzenlager zurückzogen. Samstagmorgen fanden wir uns zunächst zu einem ausgiebigen, gemeinsamen Frühstück zusammen, bevor die unvermeidliche Frage nach dem Kletterziel erörtert wurde. Als Kletterneulinge im Zittauer Gebirge überließen wir es den vielen Experten unserer Truppe, ein geeignetes Gebiet zu finden. Natürlich wurde sich jeweils auch über die Vor- und Nachteile der zur Wahl stehenden Felsen ausgetauscht, ein wichtiger Blick galt dabei der aktuellen Witterung und dem Kletterkönnen unserer Gruppe. Wir beschlossen, zum Einstieg dem Oderwitzer Spitzberg bzw. dem dortigen Klettergarten einen Besuch abzustatten. Nicht nur weil es dort auf engem Raum gut gesicherte Klettereien in allen Schwierigkeitsgraden (II bis X) gibt, sondern auch weil direkt nebenan die Spitzberg-Baude willkommene Erfrischung für die Kletterpausen und wohlverdiente Stärkung im Anschluss versprach. Es ist eben perfekt, wenn man Leute dabei hat, die genau wissen, was der Kletterer sich von einem idealen Klettergebiet so wünscht.

Je nach Leistungsniveau und persönlichem Anspruch verteilten sich die Kletterer schnell auf die verschiedenen Wände und bis zum Nachmittag wurden bei bestem Wetter viele interessante und schöne Wege geklettert. Der Unfall eines anderen Kletterers sorgte am Nachmittag dafür, dass wir unsere sportlichen Ambitionen früher als beabsichtigt einstellten und den Klettertag bei Kaffee und Eis ausklingen ließen. Zurück in der Hütte und frisch gestärkt, wurden aber wenigstens noch die Wände des hütteneigenen Kletterturms unsicher gemacht. Jeder, der noch Reserven hatte, konnte seine Muskelkraft dort in kinetische Energie und gute Laune umsetzen. Im Anschluss wurde gekocht und gebrutzelt, was die Küche hergab, bevor der Abend gemütlich mit Klettergesprächen und dem Austausch von Wissenswertem und Lustigem verbracht wurde.

Um Mitternacht ließen wir unser Geburtstagskind Wolfgang hochleben – so etwas will schließlich ordentlich gefeiert werden. Am Morgen machte der Sonntag dann zunächst mit Nebel seinem Namen keine Ehre. Doch so etwas schreckt uns nicht! Nach einem ausgiebigen Frühstück beschlossen wir, zur Mönchswand im Oybiner Klettergebiet zu fahren. Um auch etwas von der schönen Felsenlandschaft des Zittauer Gebirges zu sehen, parkten wir nahe dem Kelchstein und wanderten über die Felsengasse in Richtung unseres Kletterziels. Inzwischen ließ die Sonne auch die letzten Nebelschwaden verschwinden und wir konnten auf dem Weg verschiedene Aussichten genießen. Nachdem die Orientierung uns trotz Karte und GPS zunächst im Stich und eine kleine Extrarunde drehen ließ, fanden wir dank des guten Erinnerungsvermögens unserer Kletterer am Ende die gesuchte Wand. Diese hielt mit langen und kurzen, leichten und schwereren Routen für jeden Geschmack und Kletterkönnen den passenden Weg bereit. So wurde den ganzen Tag geklettert, Knotenschlingen verbaut und nachgeholt, was die Arme hergaben. Das schöne Wetter, die tollen Leute und die super Lage direkt an einer Wiese, die zum Entspannen und Pausieren einlud, komplettierten diesen perfekten Klettertag. Auch einige wichtige Erkenntnisse nahmen wir mit, zum Beispiel warum die Veteranen unter den Sachsenkletterern immer lange Jacken und Hosen tragen. Jedenfalls erschloss sich mir das eindringlich, nachdem ich Normans und Marcels geschundene Knie und Arme nach der Ersteigung ihres Riesenrisses (Alter Weg (V)) in kurzen Sachen gesehen hatte. Aber den Spaß konnte selbst das den Zweien nicht verderben – ist eben hart im Nehmen die Jugend. Und Energie war nach einem ganzen Klettertag scheinbar auch noch genug da, denn jedenfalls reichte diese bei einigen von uns, um auf dem Heimweg noch schnell den Klettersteig „Alpiner Grat“ zu machen. Auch dem berühmten Kelchstein statteten wir noch einen Besuch ab, bevor es zurück nach Jonsdorf ging.

Dort war inzwischen der Grill angeworfen und ein echtes Festmahl mit Steaks, Würstchen und allerlei Salaten bereitete worden – mit dieser Art der Bewirtung haben Wolfgang und Lilo die Latte für kommende Geburtstagskinder auf unseren Kletterausfahrten wirklich sehr hoch gelegt. Als dann Jens, Henry und Karina noch überraschend als Gratulanten und Überraschungsgäste auftauchten, war die Freude allerseits umso größer. Natürlich darf es keine Kletterfahrt ohne zünftiges Lagerfeuer geben. Daher wurden nach dem Essen gemeinsam kleine, große und riesige Holzstämme zusammengesucht und der Abend fröhlich mit Geschichten, Anekdoten und Dank Jörgs Gitarre und Lilos Talent auch mit Gesang und Musik beschlossen.

Der Montagmorgen sah uns dann beim allgemeinen Packen und Ausräumen unseres Domizils, welches wir nach einem solch tollen Wochenende nur ungern verließen. Klar ist, das Zittauer Gebirge hat uns nicht zum letzten Mal gesehen.

Thomas Rahm

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